So wird Ihre Zielgruppe Ihnen garantiert zuhören – 3 Storytelling-Beispiele zur Inspiration

Kunden begeistern mit starken Geschichten, interessanten Formaten und relevanten Kanälen

In meinem letzten Beitrag habe ich Ihnen bereits berichtet, warum es wichtig ist, Storytelling in der Kommunikation mit Ihrer Zielgruppe einzusetzen. Und nicht nur bei Präsentationen! Heute will ich Ihnen ein paar Beispiele zeigen, welche Formate Sie einsetzen und welche Kanäle dafür nutzen können. Denn es gilt nicht nur, für Ihre Zielgruppen relevante Geschichten (“responsive Storytelling”) zu erzählen, sondern diese auch mit den richtigen Formaten anzusprechen und zu erreichen.

 

Chipotle Mexican Grill – die Schnellrestaurantkette mag’s cross-medial

Der Animationsfilm Scarecrow (deutsch: Strohmann, Vogelscheuche) zieht den Zuschauer einfach in seinen Bann! Man fühlt mit dem Protagonisten und würde am Ende des Films am liebsten mit ihm in Aktion treten. Kein Wunder! Nicht umsonst hat der Film 2014 in der Kategorie “Cannes Lions PR” verdient einen Preis abgeräumt. Dazu Renee Wilson, PR-Jurypräsidentin der Cannes Lions:

The work was stellar. It was designed to really engage consumers in an emotional way on the Chipotle journey to creating a sustainable future.

Chipotles Konzept “Food with Integrity” im Hinterkopf, hat “Scarecrow” aus Sicht der Storytelling-Autorin Petra Sammer eine Diskussion über Fastfood in den USA entfacht und Chipotle an sein PR-Ziel gebracht. Unterstützend wirkten aber noch andere Kanäle und Formate, denn zur crossmedialen Kampagne gehörten z.B. auch ein Game in einer App sowie die Download-Möglichkeit von Fiona Apples Cover “Pure Imagination”.

 

Scarecrow Chipotle

 

Die Storytelling-Idee wurde aber noch bis zum POS weitergesponnen. Zu verdanken hat das Chipotle US-Autor Jonathan Safran Foer. Als der Nicht-Smartphone-Besitzer eines Tages zu Gast bei Chipotle war, suchte er nach etwas zu lesen. Da kam ihm die Idee, die Gäste über die Kaffeebecher mit Geschichten zu unterhalten. Foer gehört seitdem zum Content Marketing Team von Chipotle Mexican Grill und hat für die Aktion viele Autoren gewonnen.

 

Jonathan Safran Foer - Cultivating Thought

 

Von Essays über Fiktion bis hin zu nachdenklich machenden Ideen – auf Chipotle-Bechern stehen nun Geschichten unterschiedlicher Genres geschrieben. Aber auch in punkto Design trinkt das Auge quasi mit – das Artwork kann sich sehen lassen! Foer kuratiert auch das nächste Storytelling-Ding: Texte auf Verpackungstüten. Auch hier sind wieder namhafte Autoren mit von der Partie, wie z.B. Paulo Coelho.

 

Paulo Coelho - Cultivating Thought

 

 

WWF Deutschland – Leserführung par excellence

Tolle Seite von Aperto! Die WWF-Kampagnenseite zur Rettung von Bonobo-Affen punktet für mich wegen ihrer klaren Strategie und Dramaturgie in Sachen Content. Der Leser wird geführt, die Texte sind kurz und kurzweilig, die Infografik sehenswert und informativ, die großformatigen (und teils animierten) Bilder sprechen Bände. Der Leser, Zuschauer, Nutzer begibt sich quasi in den Urwald und taucht in den Lebensraum der Affen ein.

 

Die Bonobos sind in Gefahr! - WWF Deutschland

 

 

Die Bonobos sind in Gefahr! - WWF Deutschland Kopie

 

Die Dramaturgie folgt dem bereits vorgestellten Storytelling-Schema: Es herrscht Idylle und Frieden bis zum Video (Achtung Konflikt!). Das großformatige Foto ist plötzlich s/w, das Video ist in ähnlichen Tönen gehalten, der Videotext in alamierend roter Schrift.

 

Die Bonobos sind in Gefahr! - WWF Deutschland Kopie 2

 

Danach wird der Konflikt abgelöst durch das Prinzip “Hoffnung” (Achtung Lösung!!): Der Spender wird aktiviert durch den durchdringenden Blick eines Bonobo-Jungen (Emotionen!!) mit Aufruf zur Spende durch den Link sowie Sharing-Optionen. Das Menü auf der rechten Seite dient zusätzlich zur Orientierung auf der Seite (Kreise). Das (“Spender”-) Herz in Pink ist immer sichtbar und ruft jederzeit zum Spenden auf.

 

Die Bonobos sind in Gefahr! - WWF Deutschland Kopie 3

 

 

 @SummerBreak – Reality TV meets Social Media

Wie das @-Zeichen bereits andeutet – lasst den Fernseher aus und macht die sozialen Netzwerke an! Denn diese von Chernin Group, BBDO und AT&T produzierten Reality TV-Serie gibt’s nur im Netz zu sehen, zu verfolgen, zu erleben. Das ganze Projekt war 2013 gestartet, darauf folgte im letzten Jahr die zweite Staffel. Die Story ist schnell umrissen: Es geht um Jugendliche aus Los Angeles in ihrem letzten Sommer, bevor sie aufs College gehen. Das Interessante sind die Kanäle, auf denen die Geschichten 24/7 erzählt und die junge Zielgruppe erreicht werden sollte: Twitter, Tumblr, Youtube und Instagram.

 

Summer Break  @summerbreak  • Instagram-Fotos und -Videos

 

 

Summer Break  @SummerBreak    Twitter

 

 

@SummerBreak Season 2

 

Follower der Kanäle konnten nicht nur die Geschichten mitverfolgen, sondern sich interaktiv durch Kommentieren einbringen – Dialog und damit Identifikation (durch Format und Kanäle) sind entstanden. Waren es 2013 noch ca. 10 Millionen Engagements, gab es 2014 bereits eine Steigerung von 644 Millionen. Der Benefit für die Sponsoren bzw. Marken: Die Partner der Serie wie z.B. AT&T platzierten mit Hilfe von BBDO auf subtile Weise ihre Werbung: Die Jugendlichen wurden immer wieder mit AT&T-Geräten gezeigt. Vergessen sind damit nervige TV-Werbeblöcke, die das junge Publikum eher zum Um- und Wegschalten animieren würden.

 

Nicht so zaghaft – wagen Sie Storytelling und erzählen Sie Ihre Geschichte!

Keine Frage – das letzte Beispiel zeigt, dass Mut und die Bereitschaft zu Experimenten nötig sind, um so etwas auf die Beine zu stellen. Nicht zu vergessen die Manpower an Experten, die es umsetzen müssen. Aber es lohnt sich, sorgfältig die Zielgruppe zu skizzieren, sich Storytelling-Formate auszudenken, Geschichten zu spinnen und sie auf relevanten Kanälen zu erzählen. Und man kann ja auch erst einmal mit einer – Ihrer – Geschichte im kleinen Format starten – seien Sie mutig!

→ Welche Storytelling-Beispiele kennen Sie? Welche haben Sie beeindruckt? Ich freue mich auf Ihre Kommentare hier!

 

Quellen:

http://www.aperto.de/work/wwf-deutschland
http://www.wwf.de/bonobos-retten/
http://cultivatingthought.com
http://contently.com/strategist/2014/05/16/chipotles-content-marketing-team-now-includes-toni-morrison-and-jonathan-safran-foer/
http://pr-blogger.de/2014/11/27/petra-sammer-wie-die-pr-storytelling-einsetzen-sollte/
http://variety.com/2014/digital/news/social-media-series-summerbreak-to-return-for-second-season-1201129352/
http://variety.com/2013/digital/news/new-reality-show-to-play-entirely-on-social-media-exclusive-1200416708/
http://variety.com/2013/biz/news/att-makes-quiet-push-for-summer-lovin-1200500188/

 

 

Friederike Schmidt ist studierte Literatur- und Kommunikationswissenschaftlerin sowie zertifizierte Social Media und Agile Marketing Managerin. Nach verschiedenen Stationen in PR, Marketing und Werbung sowie als freiberufliche Digital Content Strategist und Creator, betritt sie 2018 ein neues spannendes Berufsfeld in der IT-Industrie.
  1. Ralph Antworten
    Besten Dank für die schönen 3 Storytelling-Beispiele, welche mich wirklich inspirieren. Falls vorhanden, bitte noch weitere Beispiele publizieren ;) Beste Grüße Ralph
  2. Julian Grandke Antworten
    Wirklich schöne Übersicht! Finde Beispiel 1 und 3 sehr gelungen, weil sie sehr gut zeigen wie man Storytelling greifbarer machen kann und verschiedene Kanäle zielgruppenrelevant einsetzt. Damit tun sich viele doch immer noch sichtbar schwer. Das Format Summer Break kannte ich noch gar nicht, erinnert mich vom Ansatz her aber an ein Konzept was ich 2011 aus Zeitgründen mal verworfen habe. Witzig. :) Die WWF-Seite funktioniert bei mir irgendwie nicht so wirklich..
    • Friederike Schmidt Antworten
      Danke schön! Ich finde, der Mix bei Beispiel 1 und 3 ist wirklich besonders. Gerade bei @SummerBreak musste ich dran denken, dass die US-Marketer oft viel mutiger und experimentierfreudiger sind als hierzulande. Bei WWF fand ich tatsächlich die Anwendung des Storytelling-Schemas als Website sehr gut. Wie auch immer - vielleicht gehörst du da auch einfach nicht zur Zielgruppe! ;-)
      • Julian Grandke Antworten
        Bei WWF meinte ich, dass die Seite bei mir sowohl in Chrome wie Safari nicht richtig dargestellt wird. Deshalb fällt es mir schwer sie final zu bewerten. Die fehlende Experimentierfreudigkeit ist ja jeher ein beliebtes Thema. Deswegen fällt mir dazu auch irgendwie nicht mehr viel ein. Aber die Hoffnung stirbt.. ach lassen wir das ;-) Solange wir unseren Mut nicht verlieren.
  3. Sebastian Riehle Antworten
    Sehr schöner Artikel Friederike :) Trage die Storytelling-Kunde ins Land! Das von Dir genannte Buch von Petra Sammer kann ich auch nur wärmstens empfehlen. Ich habe die Techniken letztens mal selbst an einem eigenen Artikel getestet. Es geht darum, die Features eines Online-Design-Tools nicht als reine Aufzählung von Fakten zu erklären, sondern in eine Geschichte für meine Zielgruppe zu verpacken. Der Artikel hat sich als mein bisher erfolgreichster herausgestellt und ich erlaube mir, ihn hier als Beispiel anzuführen: http://socialmedia-doktor.de/social-media-bilder-mit-canva-erstellen/ Ich werde in Zukunft sicher noch stärker in dieser Richtung weiter arbeiten und hoffe, dass wir den Unternehmen damit weiterhelfen können. Ich bin auf noch mehr gute Beispiele gespannt! Liebe Grüße nach Erfurt und bis bald, Sebastian
    • Friederike Schmidt Antworten
      Vielen lieben Dank, Sebastian! Na klar, darfst du dir deinen Artikel hier erlauben! ;-) Auch sehr lesenswert und eine schöne Idee. Erinnert mich an den Erklärvideo-Stil. Und: Canva ist für Nicht-Designer wie mich ein super Tool. Habe ich letztens genutzt, um eine Einladung zu gestalten.

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