republica 2016 Highlights – Microsoft Schichtwechsel, Gunter Dueck, VR und Depression – rpTEN

Zunächst einmal ein großes Kompliment an die Veranstalter – zum 10-jährigen Jubiläum war die republica noch größer, vielfältiger und bunter als alle Jahre zuvor. 2013 ging ich zum ersten Mal auf die re:publica und ich frage mich jährlich aufs Neue, welch spannende Sessions und Keynotes ich besuchen soll. Das Angebot in diesem Jahr aber, inklusive media convention, re:health und fashiontech, glich quasi einem Content-Sturm, durch den ich mich durchzukämpfen versuchte. Ich war daher sehr begeistert, dass (ja, trotz Digitalkonferenz und diverser Apps) Tagespläne im Paperformat zur Verfügung gestellt wurden. Klingt total old school, aber damit konnte ich gut den Überblick behalten (und wie ich beobachtete, gingen die analogen Pläne weg wie warme Semmeln). Schade fand ich tatsächlich nur, dass viele Vorträge binnen kürzester (!) Zeit absolut voll belegt waren. Nicht nur einmal oder zweimal, sondern leider mannigfach. Wirst du demnächst noch größer, liebe re:publica, so nimme dich bitte dem Raumproblem an. Dir wird sicherlich etwas einfallen! ;-)

Ich will hier gar nicht weiter ausschweifen, die re:publica, das “Klassentreffen”, muss man einfach selbst erleben. Dennoch möchte ich euch meine Highlights nicht vorenthalten.

 

Day #1

Lightning Talks – #Schichtwechsel: Alles nur ein (T)Raum?

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Microsoft ist eines der führenden Unternehmen hierzulande, das den Wechsel vom eingestaubten, klassichen Büro hin zur neue Bürokultur vollzogen und damit nahezu revolutionierende Formen der Zusammenarbeit geschaffen hat. Es war spannend zu erfahren, wie sie an den Umbau (z.B. des Berliner Office) herangegangen sind. Sie haben Zeit investiert und die Mitarbeiter befragt, um ihre Bedürfnisse und Wünsche zu erfahren. Das neue Büro sollte diese Bedürfnisse am Ende widerspiegeln – und das scheint ihnen gelungen zu sein! Konnten die Mitarbeiter vor dem Umbau bereits viel aus dem Homeoffice arbeiten, so wollen sie das seit der Einweihung der neuen Büroräume gar nicht mehr, berichtete Markus Köhler (Senior Director Human Resources, Microsoft Deutschland GmbH). Wer die Mitarbeiter bis zur Entscheidung über die Wahl der Kaffeemaschine einbindet – der will das so richtig gut hinbekommen, oder! Neid? Vielleicht ein bisschen. Oder besser: Mehr davon!

Infos: https://re-publica.de/16/session/schichtwechsel-alles-nur-traum

http://schichtwechsel.tumblr.com

 

 

Stage 3 – #Schichtwechsel: Hilfe, die Roboter kommen  - Bedrohung, Invasion oder Chance?

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Wie ihr bestimmt schon bemerkt habt – die Panels von und mit Microsoft hatten es mir angetan! Der Talk zwischen Sabine Bendiek (Vorsitzende der Geschäftsführung, Microsoft Deutschland GmbH) und Stefan Heumann (Mitglied der Geschäftsführung, stiftung neue verantwortung) war gar nicht so kontrovers, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Es ging um die Frage: Werden Roboter uns unsere Arbeit wegnehmen – und was sollen dann wir Menschen machen?

Bendiek hielt gleich dagegen, ihre These: Maschinen sollen uns unterstützen. Die Zukunft der Arbeit bestünde darin, kreativer und intelligenter zu arbeiten. Neue Jobs würden entstehen, die andere Qualifikationen erfordern. Sie brachte das Beispiel “Arzt”, der mit viel genaueren Analysen bei der Diagnose und Entscheidungsfindung unterstützt werden kann. “Roboter machen Angst”, räumte sie ein, “zur Panik besteht kein Anlass, zur Diskussion schon.” Heumann ging noch mal einen Schritt zurück und brachte das Thema wieder etwas mehr auf den Boden: “Was passiert mit den jetzigen wirtschaftlichen Strukturen, die auf die digitale Transformation treffen – was bedeutet das?” Da kann man nur mit Weiterbildung gegensteuern, da waren sich beide einig. Heumann brachte das Beispiel “Bankkaufmann/frau und Bürokaufmann/frau”, die immer noch zu den beliebtesten Ausbildungsberufen gehören. Angesichts der zunehmenden Verlagerung der Bankgeschäfte in die Online-Welt fast nicht zu glauben. Diesen Mitarbeitern muss man anbieten sich weiterzuentwickeln. Bendiek bringt ein weiteres Beispiel, eine Stufe höher: Das Bild des Managers sei auch überholt. Ging es früher um die Frage “Wie mache ich mein Team erfolgreich”, so geht Führung heute schon in Richtung Coaching. “Wie befähige ich meine Mitarbeiter, die heute auf der Strecke bleiben” wird ihrer Meinung nach das führende Thema sein, das diskutiert werden muss.

Auch hier stimmen beide überein: Der Umgang mit den neuen Technologien muss schon in der Schule anfangen. Microsoft ist da mit der Initiative Code Your Life bereits voll dabei und bringt Schülern in Grundschulen das Programmieren bei. Im Vordergrund steht dabei, ein Problem runterbrechen zu können, um es dann der Maschine als Code mitzugeben.

In Zukunft wird es sich um die Frage drehen, wie man sich neues Wissen erschließt. Es wird darum gehen, die Maschine besser zu verstehen, damit man sie besser nutzen kann. Da wird es spannende Entwicklungen geben, die Grenzen muss man aber auch mitdiskutieren.

Talk: https://youtu.be/wHsuBCIvT1g

Infos: https://re-publica.de/16/session/schichtwechsel-hilfe-roboter-kommen-bedrohung-invasion-oder-chance

 

 

Day #2

Stage 1- Cargo-Kulte

Ein Klassiker, aber immer wieder gut: Eine Keynote von Gunter Dueck. Diesmal ging’s um Cargo-Kulte, auch in punkto Social Media. Einfach ganz herrlich zu erleben, nicht nur für Fans:

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Keynote: https://www.youtube.com/embed/6YhugALYhhQ

 

Auf einen Schnack mit Richard Gutjahr

Die Bea wollte von Richard mal eben schnell was wegen Snapchat wissen – und zack! sind wir beim Thema Veränderung in der Arbeitswelt und Zukunft der Jobs gelandet! Ein kurzes, aber sehr aufschlussreiches Gespräch über die Angst (oder Fürsorge) der Eltern (“Werde doch Bankkaufmann”) und den eigenen Vorstellungen (“Eigentlich will ich Künstler werden”), bei dem ich gedanklich immer mitgenickt habe. Manches ändert sich eben nie (Eltern!) und anderes total schnell (Arbeitswelt).

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Gutjahr: “Improvisieren ist die neue Sicherheit”

 

Stage 5 – In Creative Control: A Conversation with Morgan Wandell

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Da ich ein totaler Fan der Amazon-Serie “Transparent” bin, war der Talk mit Morgan Wandell ein absolutes Highlight für mich. Als Head of Drama Development  und mutiger Content-Stratege hat er einen wirklich spannenden Job, immer auf der Suche nach neuen Stories von Autoren –  auch außerhalb des Mainstreams. Da kann man schon recht neidisch werden! ;-) #Inspirierend

Talk: https://re-publica.de/16/session/creative-control-conversation-morgan-wandell

 

Day #3

Stage L – A Brand(ed) New World: Welcome to Virtual Commerce

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Virtual Reality (VR) war das bestimmende Trendthema der rpTEN. Wo du nur hingeschaut hast, gab’s VR-Brillen als Take-away, VR-Flashmobs, VR-Sessions usw. usf. Wie VR nicht nur just for fun, sondern im Business eingesetzt werden kann, hat Anna Rohjahn bei der #Fashiontech gezeigt. Warum sie das wichtig findet? Weil VR eine emotionalere User Experience bietet. Man ist damit in der Lage, z.B. eine völlig eigene Shopping-Welt zu kreieren, die mit Google Street View for Interior vermarktet werden kann.

Alles was man braucht ist Raum (z.B. Shop), Content (z.B. Produkte) und Technologie (Videoaufnahme, Schnitt/Bearbeitung, Interface). Das Google Cardboard ist dabei die Schnittstelle für den Massenmarkt. Wie aufwendig ein 360°C-Video am Ende wird, ist abhängig davon wie viel Punkte im Raum ich zeigen will. Da kann die Videoproduktion von einer halben bis zu 2 Stunden (oder mehr) dauern. Verwendet man im Anschluss eine fertige Lösung wie z.B. Google Business für die Postproduktion, ist mit einem zeitlichen Aufwand von ein bis zwei Tagen zu rechnen.

Am ZDF-Stand im Indoor-Bereich habe ich das Ganze mal mit Terra X-Filmen getestet. Davon war ich schon sehr begeistert (zumal mich die Tanja währendessen versehentlich anstieß als sie mein Namensschild umdrehen wollte, gerade in diesem Moment ein Schwarm Vögel “vor mir” hochflog und ich mich mordsmäßig erschreckte!), kann ich es mir zum Shoppen allerdings noch nicht vorstellen. Kann aber ja noch werden, VR steckt da ja noch in den Kinderschuhen.

Talk: https://re-publica.de/16/session/branded-new-world-welcome-virtual-commerce

 

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Sieht komisch aus, hat aber Spaß gemacht. Was ich gesehen habe? Ich war “live” bei einem Vulkanausbruch dabei (von TerraX)! Dank an Tanja fürs Foto!

 

Stage 7 – Ziemlich schlechte Freunde? Depression und Social Media

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Diese Session im Rahmen der re:health stimmte schon recht nachdenklich. Vor Kati Krause (Journalistin und Medienberaterin) und Uwe Hauck (Autor, Blogger, Trendscout, Aktivist Living the Future) kann ich nur meinen Hut ziehen, dass sie so mutig waren und ihre Stories einem großen Publikum vorgestellt haben. Sie berichteten von ihren verschiedenen Depressionsformen und welche Rolle Social Media dabei jeweils gespielt hat.

Bei Kati hatte der Umgang mit Social Media eher negative Auswirkungen, denn Social Media können Stress begünstigen. Und Menschen mit Depressionen können wiederum sensibel auf Stress reagieren – ein Teufelskreis! Bei Kati führte im Verlauf der Krankheit das Schreiben eines Tweets schon zu Stress: Social Media stellte keine Vertrautheit mehr für sie dar, es gab keine richtige Kommunikation mehr, sondern nur noch reine Performance und Selbstdarstellung. Das Handy mal wegzulegen – chancenlos! Sie machte schließlich einen radikalen Schnitt und setzt sich heute zeitliche Grenzen, so dass sie nur wenige Minuten täglich auf Twitter, Facebook & Co. verbringt.

Bei Uwe hingegen war es anders. Whatsapp hatte ihn einerseits vor einem Suizidversuch bewahrt, andererseits nutzte er dann Social Media zur Therapie. Er schätzte die Distanz, die er zu Menschen in den sozialen Medien hatte, denn er konnte es nicht ertragen, jemanden um sich zu haben. Er begann offen über sein Problem auf Social Media-Kanälen zu sprechen, als er nach seinem Befinden und Verbleib gefragt wurde. Er wollte nicht lügen und fing an, aus der Therapieeinrichtung an zu twittern.

Diese Berichte haben mich echt berührt. Denn wer hatte dieses Gefühl nicht schon einmal, dass ihm die Filter Bubble auf den Keks ging, sich nicht vom Handy trennen konnte und einen Tech Sabbath eingelegt hat! Zugegeben, mir ging das schon oft so und ich bin froh, dass mein “Warnsystem” halbwegs funktioniert (vor allem wenn man als Social Media Worker täglich damit zu tun hat). Ähnlich wie bei Kati und Uwe bin ich dankbar für Familie und Freunde, die einen hin und wieder auf den Boden der Realität zurück holen.

Keynotes: https://re-publica.de/16/session/ziemlich-schlechte-freunde-depression-und-social-media

 

Hat viel Spaß gemacht – ich freue mich schon aufs nächste Jahr!

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VR-Kino im labore:tory

 

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Johannes Korten stellte die Aktion #einBuchfuerKai vor, die das Netz bewegte und mobilisierte.

 

 

Ich saß leider nicht im Bosch-Auto, war aber wirklich fasziniert vom Design (obwohl es auf das technische Innenleben ankam).

 

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Da half auch keine Streicheleinheit der IBMler mehr – er wollte einfach keine Befehle mehr ausführen… ;-)

 

 

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Super Idee – wurde live am Stand erhoben!

 

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Wir hatten Glück. Mit dem Wetter.

 

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Am Tüfteln.

 

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Ein bisschen Spaß muss sein – im Bus von t3n!

 

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Abschieds-Walzer am letzten Tag. Tolle Idee! Ich wurde auch zum Tanz aufgefordert. Gott sei Dank gibt’s davon kein Foto! ;-)

 

Friederike Schmidt ist studierte Literatur- und Kommunikationswissenschaftlerin sowie zertifizierte Social Media und Agile Marketing Managerin. Nach verschiedenen Stationen in PR, Marketing und Werbung sowie als freiberufliche Digital Content Strategist und Creator, betritt sie 2018 ein neues spannendes Berufsfeld in der IT-Industrie.

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